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13 Jahre und schwanger |
| Wissen um Verhütung ist bei Jugendlichen lückenhaft |
| 13 Jahre und schwanger |
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Anna schweigt, manchmal lächelt sie schüchtern. Sie weicht den Blicken ihrer Eltern aus. Die Schülerin kuschelt sich eng an ihren 16-jährigen Freund. Es scheint, als ginge sie das alles nichts an, aber sie ist der Grund für das Beratungsgespräch: Anna ist in der 18. Woche schwanger. Sie ist 13 Jahre alt und schaut mit ihren kindlichen Gesichtszügen und den Zöpfen noch viel zu jung aus, um schon Mutter zu werden.
Obwohl es sich um eine Risiko-Schwangerschaft handelt, ist ein Abbruch für das Mädchen zu keinem Zeitpunkt in Frage gekommen. Das Jugendamt hat das junge Paar samt den Eltern zur Klärung gesundheitlicher und rechtlicher Fragen zur Pro Familia geschickt.
Sicher war es ein Unfall, aber es handelt sich wohl nicht um eine völlig ungewollte Schwangerschaft. In Annas Unterbewusstsein existierte der Wunsch nach einem Baby, mutmaßt Kerstin Eichhorn-Wehnert, Sozialpädagogin bei der Bamberger Pro Familia. Anna hat nicht viel über sich preisgegeben, doch aus ihren wenigen Sätzen kann man etwas herauslesen: Die 13-Jährige sehnt sich nach einer eigenen kleinen Familie, nach Liebe und Geborgenheit. Nach jemanden, der sie vorbehaltlos annimmt, der sie liebt und braucht.
Freund und Großeltern helfen
Das Mädchen will so schnell wie möglich erwachsen werden und dem autoritären Elternhaus entfliehen. Doch dieser Schritt steht noch in ferner Zukunft. Bis Anna die Hauptschule abgeschlossen hat, wird sie bei ihren Eltern wohnen. Sie bieten ihr Rückhalt, wollen Anna finanziell unterstützen und auch bei der Versorgung ihres Kindes mithelfen. Das ist eher die Ausnahme. Viele Teenager werden in dieser Situation von Familie und Partner allein gelassen. Mit der Unterstützung des Umfeldes steht und fällt die Entscheidung für oder gegen das Ungeborene, weiß die 41-jährige Sozialpädagogin.
Die Mehrheit der betroffenen Mädchen entscheidet sich für einen Abbruch. Allein im vergangenen Jahr trieben bundesweit knapp 8000 der insgesamt 14 000 schwangeren Teenager ab. Diejenigen, die sich für die Mutterschaft entscheiden, wollen das Beste für das Kind. Ob sie es nach der Geburt auch wirklich so leben, steht freilich auf einem anderen Blatt, sagt Eichhorn-Wehnert.
Auf Grund beruflicher Perspektivlosigkeit und dem Wunsch nach etwas Eigenem fällt ihnen die Entscheidung für das Ungeborene scheinbar leicht. Selbstsicher begegnen die Minderjährigen den neuen Herausforderungen. Die Mädchen haben oftmals weniger Zweifel und Ängste als erwachsene Frauen, die sich viel mehr Gedanken über die Verantwortung machen und darüber, was sie dem Kind bieten können, erzählt die Sozialpädagogin.
Die Pille danach
Obwohl die meisten Jugendlichen in Sachen Verhütung inzwischen recht gut informiert sind, steigt die Zahl der Teenager-Schwangerschaften stetig. Sie verfügen über ein gewisses Vorwissen, aber es ist sehr lückenhaft, erklärt Eichhorn-Wehnert.
Viele sind im Umgang mit Kondomen unsicher oder denken, mit der Einnahme der ersten Pille wäre der Verhütungsschutz ab sofort immer gewährleistet. Ferner ist den Mädchen nicht bewusst, dass Erbrechen, andere Medikamente sowie Durchfall die Schutzfunktion der Pille beeinträchtigen. Häufig passiert das erste Mal überraschend und unvorbereitet. Über die Notfallverhütung, die so genannte Pille danach, wissen Jugendliche kaum Bescheid.
Mädchen und Jungen kommen heute früher in die Pubertät, dabei klafft die Schere zwischen körperlicher und geistig-seelischer Reife immer weiter auf. Um bei den Jugendlichen ein Bewusstsein zu schaffen, was Elternschaft bedeutet, bietet Pro Familia das Projekt Babybedenkzeit, bei dem lebensechte Baby-Simulatoren im Einsatz sind. Wir möchten die Jugendlichen zu einer Lebensplanung anregen: Was ist in welcher Reihenfolge sinnvoll und wichtig, erläutert Kerstin Eichhorn-Wehnert das Ziel des Projekts.
Babybedenkzeit
Ein Junge, ein Mädchen oder ein Paar versorgen vier Tage und drei Nächte lang ein elektronisch gesteuertes Baby. Es gleicht optisch zwar eher einer Puppe, aber im Inneren birgt es jede Menge Technik, so dass es in Aktion äußerst lebensecht wirkt: Zur jeder Tages- und Nachtzeit kann plötzlich ein lautes Schreien ertönen, weil der Säugling gerade Hunger hat, gewickelt werden will oder Bauchweh verspürt. Manchmal nörgelt der Simulator auch grundlos oder gluckst zufrieden — wie es Babys halt machen. 15 verschiedene Tagesabläufe von echten Säuglingen sind im Inneren auf einem Chip gespeichert. Zugleich registriert der Computer die Bemühungen der Pflege-Eltern. Beispielsweise wie lange das Baby geschrien hat, bis jemand reagiert hat, oder ob es gar in einer Stresssituation geschüttelt worden ist. CLAUDIA BEYER
Mehr Infos: Die Idee zu diesem Projekt stammt aus den USA. Vor fünf Jahren wurde es erstmals im norddeutschen Delmenhorst ausprobiert. Seitdem breitet sich die Babybedenkzeit bundesweit aus. In Franken haben Teenager in Kleingruppen beispielsweise in Bamberg, Coburg und Erlangen die Möglichkeit, sich als Eltern auszuprobieren. In Nürnberg wird derzeit ein Konzept zur Babybedenkzeit entwickelt.
ProFamilia bietet rund um die Uhr ein Pille-Danach-Info-Telefon an unter 01805/776326 (12 Cent pro Minute). Im Internet: www.profamilia.de/pille-danach
Um 1.30 Uhr morgens musste ich Samantha füttern und wickeln, zwei Stunden später hat sie schon wieder gebrüllt. Keine Ahnung warum, ich war noch im Halbschlaf. Gegen fünf Uhr ging dann gar nichts mehr — trösten, füttern, wickeln, Bäuerchen, erzählt die 16-jährige Lena. Unter ihren Augen zeichnen sich dunkle Ringe ab.
Die Schülerin und ihre Schwester gehören zur ersten Jugendgruppe, die bei der Babybedenkzeit mitgemacht hat. Sie teilten sich einen Baby-Simulator. Ein Mädchen, sie haben es Samantha getauft. Vier Tage lang haben sie die Kleine versorgt. Nun geben sie Samantha samt Maxi-Cosi, Kinderwagen und Babykleidung wieder bei der Bamberger Pro Familia ab und erzählen ihre Eindrücke.
Eine Nacht ist ja ok, aber auf Dauer? Lena schüttelt heftig den Kopf. Kinder kriegen will die 16-Jährige nach wie vor, aber erst später. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Kind genauso stressig ist wie arbeiten, sagt die Schülerin ungläubig. Sie hat sich vergangene Nacht schlicht überfordert gefühlt. Ein fähiger Partner ist wichtig, der mir das Kind dann öfters abnimmt, betont sie. Im Moment will sie auf gar keinen Fall Kinder — höchstens ein Haustier.
Ihre Schwester Lisa bewies mehr Geduld. Die 14-Jährige war in den ersten beiden Nächten für Samantha verantwortlich. Das Baby schlummerte bis auf kleine Unterbrechungen friedlich. Ich fand es gar nicht so schlimm, man füttert sie, und dann ist wieder alles gut, erzählt Lisa. Sie habe jetzt viel mehr Respekt vor Müttern, denn Babys sind süß, aber anstrengend. Man darf die Verantwortung nicht unterschätzen. Fazit der beiden: Sie waren zwar nur kurz Mütter, aber es reicht erst einmal. bey |
| 2.7.2005 |
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