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Wer zahlt, schafft an? |
| Schulen, Hochschulen und ihre begehrten Sponsoren |
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Die Krankheit lässt sich nicht leugnen: In Zeiten knapper Kassen ist die Unterfinanzierung chronisch geworden. Und die Symptome, unter denen die Universitäten, Fachhochschulen und Schulen leiden, werden immer sichtbarer: Alle brauchen eine bessere Ausstattung, die die Kommunen und Länder nicht mehr bezahlen können. Dicker dürften die Bildungsetats - noch Sache der Länder - nicht werden. Um die künftigen Studiengebühren raufen sich schon jetzt Verwaltung und Wissenschaft. Und Thomas Goppel, bayerischer Wissenschaftsminister und gelernter Pädagoge will die Ausgaben für Bildung weiter kürzen.
Zahlen sollen die Bürger. Beim vom nächsten Schuljahr an geplanten Büchergeld wird es künftig kaum bleiben. Jetzt, wo der Druck auf Studis und Schülereltern größer wird und die Bücher in den Schulen älter, soll es die Wirtschaft richten.
Sitzbänke und Logos
So einfach wie die Spende für die Sitzbank im Tiergarten ist es freilich nicht. Bildungs-Sponsoring ist heiß begehrt und heftig umstritten. Als hoch innovativ will die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg betrachtet werden, weil sie den ersten Partner zum Hörsaal- und Foyer-Sponsoring gewinnen konnte. Unterstützung durch die Wirtschaft ist nicht neu für uns, sagt Prof. Herbert Eichele, Rektor der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule. Über Sponsoring und Alumni-Förderung, die Absolventen, Studenten und Förderer der Universität in einem Förderverein eint, denkt er schon länger nach. Und das Bemühen um Spenden hält Prof. Eichele weder für Geldeintreiberei noch für unehrenhaft - im Gegenteil. Er verweist auf die staatlich nicht gerade üppige Förderung der Hochschule.
In den USA, so Eichele, hat Spenden sammeln Tradition und auch die Kultur der Ehemaligen-Verbände unterstütze die Hochschulen erheblich. Bis solche Strukturen auch hier entstehen - und auf deren Entwicklung hofft Eichele - setzt er auf die Wirtschaft.
Erlebnistage, eine Gesellschaft zur Förderung der Erlebnispädagogik unterstützt seit neuestem den Fachbereich Sozialwesen der FH und fungiert als Sponsor des Foyers im dritten Stock des Gebäudes in der Bahnhofstraße 87. Auch der ehemalige Hörsaal 3 der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg wurde auf Kosten der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung renoviert - und wird jetzt GfK-Hörsaal genannt. Kosten für die GfK: 50 000 Euro. Wir haben auch einen Sparkassen-Hörsaal, sagt Prof. Karl-Kosten für die Sparkasse: 29 000 Euro. Dieter Grüske von der Friedrich-Alexander-Universität. Allein mit Siemens hat der geschäftstüchtige Rektor im letzten Jahr 150 Verträge abgeschlossen.
Bei uns an der Universität werden Einzelprojekte gefördert, erklärt Grüske. Er weist darauf hin, dass die Uni sogar selbst als Unternehmer auftritt. Bei Patenten, etwa. Hält ein Student ein interessantes Patent, vermisst aber das nötige Kleingeld zur Firmengründung, beteiligt sich die Universität finanziell am Unternehmen. Werden die Studis von Sponsoren gefördert, so Grüskes Theorie, können sie sich so die Sahne zum Uni-Kuchen holen. Was Studenten der Medizin etwa, die sich von Pharma-Unternehmen unterstützen lassen wollen, naturgemäß leichter fallen dürfte, als die Firmensuche für Archäologen oder Philosophie-Studenten.
Und wenn die Sponsoren in den Unterricht hineinreden? Rektor Grüske sieht es gelassen: Direkte Abhängigkeiten will er per Vertrag vermeiden und was sagt denn ein top eingerichteter Chemiesaal über die Unterrichtsqualität aus? Wir trennen das, so Grüske. Deshalb hat er auch nichts dagegen, wenn das Logo von Mc Donalds, Coca-Cola oder Bergkirchweih-Bier im Hörsaal klebt.
Zwar will der Rektor nicht mit der These Geld stinkt schließlich nicht, zitiert werden, aber eine Kitzmann-Flagge im Hörsaal aufhängen, wenn es dafür Freibier für die Studis gibt, warum denn nicht.
Auch für Schuldirektoren in der Region ist Sponsoring Routine. Schulen kommen ohne Unterstützer aus der Wirtschaft gar nicht mehr aus, sagt Georg Fleischer, Direktor des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck. Er spricht von Public-Private-Partnership-Modellen, kann sich Werbung in der Schule vorstellen, wenn sie nicht gegen das Jugendschutzgesetz verstößt und würde ganze Gebäudeteile nach Firmen benennen. Das Bayerische Schulfinanzierungsgesetz widerspricht darin nicht. Sponsoring, so scheint es, ist in Ordnung, wenn es nicht dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entgegensteht. Ausdrücklich genehmigt das Gesetz auch Spenden von Schüler-Eltern an Schulen. Dass sich die Schulen ein Stück weit verkaufen - der Politik dürfte dies angesichts knapper Kassen nur recht sein.
Werbepause im Unterricht
Aber wie weit geht das? Werbeunterbrechungen im Unterricht? Folgt nach der Allianz-Arena und dem Playmobil-Stadion die Burger King Aula?
Warum nicht? Ich kann mir eine Wüstenrot-Turnhalle prima vorstellen! Fleischer hat aus Schulsponsoring lebensnahen Unterricht gemacht. Für die Initative Gesundes G8, die in seinem Haus läuft - ein Mix aus sportlichem Angebot und gesundem Pausebrot - warb er Unterstützung aus dem Nachbarort. Die Sitzmöbelfirma Löffler hat ein ganzes Klassenzimmer mit neuen Stühlen ausgestattet. Bei allen Anfragen nach Sponsoring - wichtig ist dem Direktor Seriosität. Denn das Wundermittel hat Nebenwirkungen. So sieht das auch Prof. Eichele. Auch der FH wurde schon Bierwerbung angeboten - doch das Sponsoring sollte zum Niveau der Hochschule passen, meint der Rektor. Alle hereinkommenden Angebote müssen über seinen Schreibtisch.
Immerhin verbringen Schüler und Studenten den halben Tag an Schule oder Hochschule. Genug Geld, um eine Art Markt zu sein, haben die potentiellen Kunden auch. Allein acht Millionen Schüler haben, nach einer vorsichtigen Schätzung der Verbraucherzentralen und der GfK, immerhin 14 Milliarden Euro im Geldbeutel. Zudem sind bei Gymnasiasten und Studenten die Besserverdiener und damit die guten Kunden vorprogrammiert. Die Firmen dürften bevorzugt dort geben, wo sie später nehmen können. Das soziale Gefälle wird sich also fortsetzen und Realschulen und Hauptschulen geraten weiter ins Hintertreffen. Wer über den deutschen Horizont hinaus blicken möchte, dem sei ein Blick in die USA empfohlen. Auch die Schulen und Hochschulen dort brauchen Geld. Dort nehmen es die Schulen schon länger selbst in die Hand, ihren Wünschen ein Stück näher zu kommen. Vor allem Schulen mit besserverdienenden Eltern halten hartnäckig die Hand auf. Der nicht nur sanfte Druck auf Eltern und ehemalige Schüler
macht Firmensponsoring eigentlich unnötig, sollte man meinen.
Doch der bekannte Amerikaner Michael Moore behauptet in seinem Werk Stupid White Men anderes. In den USA können sich Schüler einen Computer verdienen, wenn sie 94950 Suppenetiketten sammeln. Der Hersteller Campell’s, so wenigstens Moore in seinem Buch, rät den Schulen, den Schülern ein tägliches Sammelziel vorzugeben. Und 240 Schuldistrikte in 31 Staaten haben das exklusive Vertriebsrecht an einen großen Getränkekonzern verkauft. Die Schule kassiert einen Bonus, wenn die Schüler viele Cola-Flaschen austrinken. Damit die Menge erreicht wird, wurde es den Schülern erlaubt, auch im Klassenzimmer Cola zu trinken. ULRIKE LÖW |
| 28.6.2005 |
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